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Die Zukunft willkommen heißen: Die Entwicklung von E&P im Öl- und Gassektor (Teil 1)

Es war einmal eine Zeit, in der man Öl- und Gasvorkommen eher mit Instinkt als mit geologischem Verständnis fand. Doch heutzutage steht zu viel auf dem Spiel, um sich auf das Bauchgefühl und Glück zu verlassen. Auch die Entwicklungen in der Exploration und Produktion (E&P) deuten auf eine potenzielle Revolution in der gesamten Öl- und Gasbranche hin. In dieser Artikelserie werden wir untersuchen, wie sich der Sektor verändert, was auf ihn zukommen könnte und wie sich der Öl- und Gassektor anpassen muss, um das Beste aus dieser Chance zu machen.

Der Öl- und Gassektor hat schon immer viel über Innovation gesprochen, darüber, wie er sich an neue Arbeitsweisen anpassen und sich entsprechend den Marktbedürfnissen verändern kann. Der Beginn der digitalen Revolution hat das Tempo des Wandels im letzten Jahrzehnt deutlich erhöht, nicht nur in Bezug auf das, was möglich ist, sondern auch in Bezug auf das, was erwartet wird. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts werden E&P-Firmen wahrscheinlich viel offener und vielleicht auch partnerschaftlicher mit ihren Aktivitäten umgehen müssen, wenn der Sektor weiterhin eine zentrale Rolle im globalen Energiemix spielen soll.

Wissen, was wo ist

Die erste große Neuerung war die erhöhte Leistungsfähigkeit und Genauigkeit des Bodenradars (Ground Penetrating Radar, GPR), das unser Bild von dem, was sich unter der Oberfläche befindet, verändert hat. Dadurch wurde unser Verständnis darüber verbessert, wo sich die besten Standorte befinden und was für die Mengen an Öl und Gas vorhanden sein könnten.

Die GPD-Geräte wurden im Laufe der Zeit immer kleiner, wobei viele davon ausgingen, dass das obere Ende dieser Entwicklung die Generation von rasenmähergroßen Geräten sein würde, die selbstständig auf der Oberfläche herumgefahren , um ein genaues Bild davon zu erhalten, was unter der Oberfläche liegt.

Darüber hinaus hat sich die Technologie permanent weiterentwickelt, und der Aufstieg der ferngesteuerten Drohne hat dazu geführt, dass heute weitaus größere Gebiete mit GPR gescannt und kartografiert werden können, als dies noch vor einem Jahrzehnt vorstellbar gewesen wäre.

Das Maximum aus der Künstlichen Intelligenz (KI) herausholen

Diese verbesserten Daten fielen mit dem Siegeszug der künstlichen Intelligenz zusammen, mit der bekannte Öl- und Gasvorkommen analysiert und immer genauere Vorhersagen darüber getroffen werden können, wo sich weitere Vorkommen befinden werden. Da KI auch zur schnelleren Analyse von Daten eingesetzt werden kann, senken die genauen Vorhersagen über die besten Standorte  und Konfigurationen die Kosten für E&P-Projekte. Richtig eingesetzt, könnte dies dem Öl- und Gassektor gegen den wachsenden Wettbewerbsdruck aus anderen Sektoren wie den erneuerbaren Energien helfen.

Infolge des verbesserten Verständnisses dessen, was sich unter der Erde befindet, ist das Gerede von der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen, das sowohl in der trockenen akademischen Forschung als auch auf lebhaften Industriekonferenzen (erinnern Sie sich noch daran?) zu hören war, so gut wie in Vergessenheit geraten. Es scheint, dass es noch für lange Zeit ausreichen Öl und Gas gibt.

Das Risiko von Insellösungen

Eines der Ergebnisse von Covid-19 ist jedoch, dass die Lieferketten stärker zusammenarbeiten müssen und dass Upstream-, Midstream- und Downstream-Organisationen Probleme bekommen könnten, wenn sie weiterhin als getrennte Einheiten arbeiten.

Der globale wirtschaftliche Schock, den Covid-19 ausgelöst hat, hat deutlich gemacht, wie anfällig die globalen Öl- und Gaslieferketten sind. Die Branche sah sich plötzlich mit einem kompletten Einbruch der Nachfrage konfrontiert, wobei sowohl unraffinierte als auch raffinierte Produkte in der Lieferkette feststeckten, als die Werte auf nahezu Null sanken.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Branche zunehmend mit einer Lieferkette zurechtgekommen, die ihre eigenen Unzulänglichkeiten versteht und verwaltet. Es wird schlicht so viel Öl und Gas aus dem Boden geholt wird, um sicherzustellen, dass immer genug raffinierter Brennstoff vorhanden ist, um praktisch alle Eventualitäten abzudecken.

Diese Arbeitsweise war effektiv und hat es dem Sektor ermöglicht, sich nahtlos und mit relativ wenigen Unebenheiten auf dem Weg von einer reinen Papierbürokratie zu einem effizienteren elektronischen System zu entwickeln. Nach modernen Maßstäben arbeitet der Sektor jedoch mit einer außergewöhnlich langsamen, manchmal schmerzhaft komplizierten Bürokratie, in der Komplikationen die Norm sind und Verzögerungen in einem Projekt eingepreist werden.

Covid-19 Belastung

Es könnte sein, dass die durch Covid-19 geschaffenen Herausforderungen ein Beschleuniger für Veränderungen sein werden. Technologien wie GPR und das bessere Verständnis z.B. über über Reserven versetzt den Öl- und Gassektor heute schon in die Lage, die Menge an produziertem Öl und Gas zu reduzieren, die er zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt. Da der Transport natürlicher Ressourcen vom Boden zum Endverbraucher oft durch durch verschiedene globale Gerichtsbarkeiten erschwert wird, ist der Prozess wahrscheinlich immer relativ langsam. Verbesserte Back-Office-Systeme und ein kooperativer Ansatz könnten jedoch den Bedarf an den umfangreichen Öl- und Gasvorräten, die gelagert werden, reduzieren.

Ohne zu sehr in die technischen Details einzusteigen, bietet die Blockchaintechnologie globale, nicht zentralisierte Ledger mit Informationen, die praktisch unmöglich zu fälschen sind. Es ist die Technologie, die hinter den Kryptowährungen steckt und die eine Schlüsselkomponente eines neuen Ansatzes werden könnte. Sie ermöglicht es, Barrel Öl und Gasmengen zu registrieren und effizienter und zu deutlich geringeren Kosten durch die globale Lieferkette zu bewegen.

Kryptowährungen mögen zwar ein kompliziertes Erbe haben und gleichbedeutend mit Marktvolatilität sein, aber die zugrunde liegenden Blockchains standen in den letzten Jahren im Mittelpunkt eines großen und glaubwürdigen Interesses.

Es ist unwahrscheinlich, dass der Öl- und Gassektor weiterhin so erfolgreich sein wird wie in den letzten siebzig Jahren, indem er einfach weiter die gleichen Dinge tut. Zwar scheinen wir das Risiko des Peak Oil hinter uns gelassen zu haben, doch die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen, vor denen der Sektor steht, sind beträchtlich und müssen angegangen werden. Die Technologie hat das Potenzial, viele der heutigen Probleme zu lösen, und der Sektor muss sie annehmen, wenn er weiterhin prosperieren will.

Dies ist der erste Teil eines dreiteiligen Artikels, der sich mit Technologie und der Entwicklung des Upstream-Öl- und Gassektors beschäftigt. Der zweite und letzte Teil werden in Kürze veröffentlicht.

Über den Autor

Kay Rieck ist seit mehr als zwei Jahrzehnten als Investor im US Öl- und Gassektor tätig. Er war über viele Jahre als Finanzberater und Börsenmakler an der New Yorker Börse (NYSE) tätig. Sein Interesse an der Öl- und Gasbranche und den damit verbundenen Assets entwickelte er schnell und baute seine Expertise im Investmentbanking und der Vermögensverwaltung beim New York Board of Trade und dem Chicago Board of Trade aus. Unter Nutzung seines außergewöhnlichen Netzwerks an globalen Kontakten gründete er 2008 sein erstes Öl- und Gasförderunternehmen in den USA und wählte Investitionen unter anderem im Haynesville Shale, Permian-Becken, Eagle Ford Shale, Dimmit County und überall dort aus, wo sich außergewöhnliche Renditeaussichten boten und bieten.

 

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